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18.5.2012 : 22:32 : +0200

Reise Tips

1.Tag

Heidmühle

Der Himmel prangt in bayerischer Perfektion: Weissblau, dazwischen lacht die Sonne. Ich sitze im Frühstücksraum des „Ruhenden Menschen“ und schaue aus dem Fenster, während ich die letzten Bissen mit Kaffee runterspüle. Jetzt kann’s losgehen! Was mich bei der Tour in unbekannte Regionen erwartet, kann ich mir nur schemenhaft zusammenreimen. Aber es ist diese potentielle Ungewissheit, die meinen Drang nach Freiheit noch verstärkt und mich neugierig macht. Geplant sind heute ca. 90 km (Dass es dann tatsächlich 13 km weniger werden, weiß ich bis dahin noch nicht.) Die Unterkunft im Café „Scherz“ in Haidmühle habe ich vorgebucht, es hätte ja auch regnen können!

Alte Zahnradbahnstrasse

Gepackt ist schnell und der erste Abschnitt hinter Passau führt mich durch bekanntes Gefilde: Der gute alte Donauradweg. Aus der Stadt heraus führt er mich immer am östlichen Ufer der Donau entlang. Über Erlau erreicht man nach ca. 20 km Obernzell, wo ich nach links in den Donau-Wald-Radweg abbiege. Auf einer ausgedienten Zahnradbahntrasse führt ein steiler Weg zunächst durch eine Neubausiedlung in den Wald, der mit dem Blick auf Untergriesbach endet. Von der Straßenseite kenne ich den südöstlichsten Zipfel Niederbayerns bis zu den Grenzen Tschechiens und Österreichs wie meine Westentasche. Hinter dem Ort kreuze ich die verkehrsreiche B388, die aber am heutigen Sonntagvormitttag friedlich ist. Parallel und etwas abseits komme ich über Wirtschaftswege an Wäldern und Wiesen vorbei. Nach einiger Zeit überquere ich erneut die B388, fahre durch die Weiler Rannahof und Wüstenberg, tangiere den Rannasee im Süden, um auf der steilen Landstraße über Hartmannreut nach Wegscheid zu gelangen. Dort mache ich verdient Pause in der Gaststätte „Haiböck“. Die Chefin kenne ich noch von früheren Fortbildungsveranstaltungen mit dem Wegscheider Ärztekreis um Chefarzt Dr. Sedlmeier. In herrlicher Mittagssonne fahre ich auf schmalen, asphaltierten Feldwegen über Kramerschlag und Kohlstatt nach Breitenberg. Ich überlege, ob ich nicht die Hauptstraße nach Neureichenau nehmen soll, das wäre kürzer, entschließe mich jedoch für die längere, viel schönere Variante über die Ziegelmühle. Erst geht’s 100 Hm abwärts, dann die gleiche Höhe wieder hinauf – und das bei brütender Hitze. Erinnerungen an die Schwarzwaldtour im vergangenen Jahr werden wach. In einem Wartehäuschen raste ich und beschließe über Kleingsenget nach Neureichenau zu fahren und nicht den in der Karte eingezeichneten Weg über Jandelsbrunn zu nehmen, wo des Adalbert-Stifter-Radweg beginnt. So spare ich einige Kilometer und bleibe, was mir viel wichtiger ist, auf dem momentanen Höhenniveau. Am Ortsende von Neureichenau stoße ich dann auf den oben genannten Radweg, der eine ehemalige Bahnstrecke nutzt. Der Weg überrascht durch sein fast wildromantisches Flair (Mini-Ausgabe der Glacier-Express-Strecke!): Er durchläuft enge Schluchten, schmiegt sich an Abhänge, führt über Brücken. Nach Überschreiten des Scheitelpunktes bei Frauenberg in 872 Hm durchstreift der Weg den von Orkanen gerupften Frauenberger Wald und endet in Haidmühle. In meiner bestellten Pension quartiere ich mich ein und rufe meinen Freund Peter Laus in Freyung an. Er kommt mit seiner Frau Christel mich besuchen und wir verbringen  einen gemütlichen Sonntagabend bei Speis' und Trank und alten Geschichten.

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