Reise Tips
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Entlang der Moldau.
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Wein.
Dresden
Auch wenn die Vortagesetappe mit über 100 km Kraft gekostet hat, kann ich nur schlecht einschlafen, da die ankommenden und abfahrenden Straßenbahnen direkt an meinem Zimmer vorbeirattern. Entschädigt werde ich aber am Morgen mit einem fürstlichen Frühstücksbüffet. Der geschmackvoll eingerichtete Raum ist mit Mobiliar im Stile einer barocken Moderne eingerichtet. Hier passt eins zum anderen. Außer einem älteren Ehepaar bin ich der einzige Gast um diese Zeit. Hohe Fenster lassen einen Panoramablick nach draußen zu und fluten gleichzeitig den Innenraum mit Licht. Es ist acht Uhr und ich genieße das Frühstück und die immense Auswahl an Speisen und Getränken. Dann schnappe ich meinen Rucksack mit den nötigen Utensilien und ziehe mir am Automaten eine Tageskarte für 4.50€. Kurz vor neun setzt sich die Straßenbahn der Linie 1 in Bewegung und rumpelt umgeben von mehrspurigen Fahrbahnen in Richtung Innenstadt. Ich präge mir den Weg ein – man weiß ja nie. Könnte ja sein, dass die Bahn von einem Meteorit getroffen wird und ich dann morgen mit dem Fahrrad zum Hauptbahnhof gurken muss! Hochhaussiedlungen und ausgedehnte Parkanlagen wechseln sich ab. Die Szene erinnert mich irgendwie an Darmstadt, das nach seiner Zerstörung und Beendigung des Kriegs mit großer Geschwindigkeit wieder aufgebaut wurde, um Wohnraum zu schaffen.
Gut vierzig Minuten später steige ich am Altmarkt aus. Erstes Ziel ist natürlich die Frauenkirche. Überall stehen Bauzäune und ich bewege mich wie eine Billardkugel an ihnen entlang bis ich am Schloss der Wettiner an der Alten Wache in unmittelbarer Nähe zur Augustusbrücke herauskomme. Die Katholische Hofkirche fällt sofort ins Auge. Ich mache einige Aufnahmen und wende mich etwas südwärts, wo ich dann über eine Gasse, die beidseitig mit gastronomischer Bestuhlung aufwartet, zum Neumarkt und der Frauenkirche gelange. Da steht sie nun – wie Phönix aus der Asche - aufragend, schön und majestätisch, fast ein wenig pummelig. „Auferstanden aus Ruinen.“ Das war der Titel der ehemaligen DDR-Staatshymne und hinsichtlich der Frauenkirche ein leeres Versprechen: Chronischer Geldmangel eines sozialistischen Satellitenstaates. Die Positionierung der Trümmersteine im Neubau war eine Meisterleistung dreidimensionaler Puzzlearbeit. Auffällig ist die Pigmentierung durch die dunkel gefärbten Steine im hellen, jungen Gemäuer, was mich irgendwie an Stracciatella-Eis erinnert. Dresden möge mir verzeihen! Ich lasse meinen Blick über das goldene Kuppelkreuz schweifen und beobachte gleichzeitig wie die weiss-grauen Wolken, die seit heute morgen über die Lande ziehen, sich allmählich in der Sonne auflösen. Jetzt wird das Blau des Himmels dominant. Ein gutes Zeichen. Am Nordportal stehen die Menschen Schlange. Und da ich keine Schlangen mag, umrunde ich die Kirche und stoße an einem südlichen Eingang auf ein halbes Dutzend versammelter Touristen, die hier Einlass begehren. „Aufgang zur Kuppel“ ist auf einem Schild zu lesen. Akzeptiert. Von oben hat man bestimmt eine herrliche Aussicht über die Stadt und die Region. Über schmale Gänge und Treppen schrauben wir uns in die Höhe, werfen ab und zu einen Blick von oben in das Kirchenschiff. Dann erreichen wir die Besucherplattform in Höhe der Kuppel mit einem herrlichen Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Ein einheimischer Reiseführer erläutert uns die bekannten Sehenswürdigkeiten. Ich sehe die Elbe als glitzerndes Band, das ausgehend vom südlichen Horizont seinen Verlauf nimmt, sich durch Dresdens Brücken schlängelt und an der Stadt vorbei im Norden im Dunst entschwindet. Nach der Vernichtung des damaligen Elbflorenz ragten nur die schwarzen Türme der Kreuzkirche und des Rathauses aus dem Trümmermeer hervor. Alle anderen Gebäude sind danach neu entstanden. Nach der Wiedervereinigung wurde mit dem Aufbau des historischen Stadtkerns einschließlich der Frauenkirche begonnen. Auf die kunsthistorischen Daten der kulturellen Denkmäler Dresdens werde ich an dieser Stelle nicht eingehen. Dafür eignen sich besser die einschlägigen Reiseführer. Mein nächstes Ziel ist der dem Pariser ‚Gare du Nord’ nachempfundene Hauptbahnhof im Jugendstil, wo ich die Bahntickets für morgen besorge. Es dauert einige Weile, bis klar ist, was der Spaß kostet. Es gibt offensichtlich zu viele mögliche Tarife zu verschiedenen Preisen. Über die Prager Straße im neu gestalteten Fußgängerbereich schlendere ich bei intensivster Sonnenbestrahlung zur Altstadt zurück. Doch zunächst stärke ich mich in einer Pizzeria. Den Dresdener Zwinger erreiche ich vom Postplatz aus kommend. Die ausgedehnten Bauten sind imposant wie auch die dahinter liegende Semperoper. Jetzt stehe ich wieder an der Alten Wache. Am Kulturpalast fällt mir das Plakat der Queen-Coverband „Merqury“ auf. Den orchestralen Sound von ihnen habe ich im Mai in Aschaffenburg hören können. Ein kurzer Platzregen zwingt mich, die nächstbeste Lokalität aufzusuchen und so lande ich in einer Bar der alternativen Szene. Ich bleibe nur kurz, denn schnell lugt die Sonne wieder hervor.
Nach einem Schlenker durch die zentrale Einkaufsmeile und der fast vergeblichen Suche nach einem Briefkasten beschließe ich, nach Kleinzschachwitz zurückzufahren und Schloss Pillnitz zu besuchen. Die Fähre bringt mich über die Elbe. Der tiefblaue Himmel und die Nachmittagssonne verleihen dem Schloss einen besonderen Glanz und lassen die Farben leuchten. Die Parkanlagen und der Botanische Garten laden zum Verweilen ein. Die zum Teil fernöstlicher Tradition nachempfundenen Gebäude sind beeindruckend. So lasse ich mich einige Zeit treiben und strande auf einer Parkbank im Schatten eines hoch aufragenden Baumriesen. Entspannt lasse ich die vergangenen Tage Revue passieren. Erinnerungen tauchen auf, wirbeln durcheinander, verblassen wieder - ein Reiserückblick im Zeitraffer. Was wird wohl hängen bleiben? Plötzlich erklingen die verhaltenen Töne eines Klaviers. Alsdann schwebt eine gefällige Melodie durch den Park, die ihren Ursprung im elbseitigen Gebäude, dem Wasserpalais, hat. Einige von Hecken eingerahmte Wege leiten den Klang direkt in meine Richtung. Im Halbschatten tänzelt die Sonne durch das Laub und so lausche ich noch lange der Abschiedsserenade. Die Fähre bringt mich wieder über die Elbe und auf dem Weg in die Pension kehre ich im „Kurhaus Kleinzschachwitz“ein. Ein sommerlicher Matjessalat steht auf der Tageskarte und ich erkläre mich damit einverstanden. Draußen im Gartenlokal bin ich gerade mit dem Essen beschäftigt, als heftig werdendes Grollen vernehmbar wird. Eine Gewitterfront zieht herauf. Ich bezahle hastig und während ich noch durch die Allee hin zu meiner Unterkunft eile, fallen die ersten Regentropfen. Dort packe ich meine Sachen zusammen und sehe noch einige Zeit fern. Das Frühstück habe ich auf 6:45 Uhr vorverlegt. Der Zug fährt um 9:13 Uhr. Dazwischen bleibt mir genügend Zeit, mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof zu fahren, inklusive Fahrrad.



