Reise Tips
- 1:
Rezepte. - 2:
Reise Tips.- 2.1:
Mittelböhmen. - 2.2:
Südböhmen. - 2.3:
Entlang der Moldau.
- 2.1:
- 3:
Wein.
Abreise
Um sechs Uhr piepst der Timer meiner Armbanduhr. Triple-S geht schnell über die Bühne und ich muss auch nur wenige Sachen zusammenräumen, da ich das meiste gestern abend weitgehendst verstaut habe. Eine freundliche Angestellte serviert mir um dreiviertel sieben ohne Murren und Knurren das vorgezogene Frühstück bei bester Laune. Die Rechnung habe ich schon am Vortag beglichen und so kann ich jederzeit abziehen. Ich stecke mir noch zwei belegte Semmeln und etwas Obst für unterwegs ein. Die Plane, mit der ich das Fahrrad im Hof abgedeckt habe, ist voll mit Regenwasser. Ich sattele mein Gepäck auf und rolle zur Straßenbahnhaltestelle. Wie auf Abruf läuft auch schon die Linie Nummer 1 ein. Im Wagen mit dem gesonderten Fahrrad-, Kinderwagen und Rollstuhlabteil verstaue ich mein Bike und mache es mir am Sitz daneben bequem. Einige weitere Fahrgäste steigen ein und warten stumm auf die Abfahrt. Doch es tut sich nichts. Nach zehn Minuten krächzt eine Durchsage: Verzögerung wegen eines Unfalls auf einer Kreuzung. Na toll! Ein Meteorit war’s zwar nicht, der da eingeschlagen ist, aber die Folgen sind prinzipiell ähnlich. Gut, dass ich mir die gestrige Strecke Richtung Innenstadt eingeprägt habe. Wenn alle Stricke reißen, könnte ich aufs Rad umsteigen. Noch warte ich mit dem Aussteigen, da noch genügend Zeitpuffer vorhanden ist. Über zehn Minuten lang tut sich nichts, doch dann schließen sich die Türen und die Bahn setzt sich in Bewegung. Unterwegs ist von dem Verkehrsunfall nichts zu sehen. In Höhe des Großen Gartens ist die Fahrt zu Ende. Was ist jetzt los? Offensichtlich hat sich ein Rückstau an Straßenbahnen aufgrund des Unfalls gebildet. Wir steigen alle aus und in die vor uns stehende Straßenbahn ein. Diese quillt natürlich jetzt über und ich muss für mich und mein Fahrrad um jeden Quadratzentimeter kämpfen. So setzen wir unsere Fahrt kompakt fort. Am Pirnaischen Platz steige ich aus und da die Anschlußbahn zum Hauptbahnhof gerade ankommt, nehme ich die Gelegenheit wahr und fahre mit. Welch ein fauler Tag! Im Bahnhof selber orientiere ich mich an der Anzeigetafel und setze mich am angegebenen Bahnsteig auf eine Bank. Es herrscht reger Betrieb. Die roten, doppelstöckigen Wagen der Regionalexpresszüge rollen ein und aus. Gegen neun Uhr fährt mein Zug ein und ich erklimme den Wagen mit dem Radlersymbol. Das ist gar nicht so einfach mit den hohen Trittstufen, dem engen Türdurchgang mit dem Bügel in der Mitte und dem Gepäck, das nach unten zieht. Aber schließlich habe ich’s für die nächsten drei Stunden geschafft. Die Wertsachen nehme ich mit ins Abteil. Eine kurvenreiche, aber reizvolle Bahnfahrt entlang des Erzgebirges mit den Hauptstationen Freiberg, Chemnitz, Zwickau, Plauen und Hof liegt vor mir. Die Waggons werden über die nur teilweise elektrifizierte Strecke von einer Diesellokomotive gezogen. Als sich der Zug um 9:13 Uhr in Bewegung setzt, scheint zum Abschied noch einmal die Sonne vom blauen Dresdener Himmel. Nach und nach gewinnen jetzt die graue Regenwolken in Sachsen die Oberhand. Nicht nur hier, sondern in ganz Deutschland werden wir für die nächste Zeit eher bescheidenes Wetter bekommen. Mir schräg gegenüber hat sich ein Fahrgast an einem Vierertisch ausgebreitet und hält ein ausgiebiges Bauernfrühstück mit Hausmacher Dosenwurst ab. Offensichtlich hat er tagelang nichts zu essen bekommen. Das ganze Abteil ist erfüllt von den deftigen Gerüchen der verschiedenen Wurstsorten. Ich erwarte in Kürze sein Bäuerchen, das in Kombination mit einem Funken den Waggon explodieren lassen wird. Zwischen Plauen und kurz vor Hof halte ich Ausschau, ob von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze noch was zu sehen ist, aber irgendwie fehlen Hinweise auf markante Schneisen im Wald oder signifikante Grenzbauwerke. Hier in der sächsisch-bayerischen Grenzregion riecht es auch nicht mehr nach Braunkohlefeuer, es fehlen die roten Schriftzüge der Politpropaganda an den einst schmutziggrauen Mauern und Häusergiebeln und die musizierenden Trupps der Blauhemden gehören auch der Vergangenheit an. Man weiss überhaupt nicht mehr, wann man im Westen ist - und das ist auch gut so. In Hof muss ich umsteigen. Um diese Tageszeit findet man ausreichend Platz in den Abteilen. Die Reise durch Franken beginnt um 12:40 Uhr in Hof, streift Kulmbach, Lichtenfels, Bamberg, Schweinfurt, Würzburg und endet theoretisch um 16:43 Uhr in Aschaffenburg. Zwischendurch muss ich noch einmal in Würzburg umsteigen. Auf dem letzten Stück sitze ich im Fahrradabteil, gegenüber lehnt mein Bike, das ich wie einen müden Gaul mit einem Strick an der Bordwand festgezurrt habe. Ich lasse meinen prüfenden Blick von vorne bis hinten über meinen fahrbaren Untersatz gleiten: Ganz schön verdreckt die Kiste! Von der gelben Lackierung der Felgen ist kaum noch etwas zu sehen. Das resultierende Schwarz aus der subtraktiven Farbgebung von Kettenschmiere, Straßenstaub und Uferschlamm ist allumfassend. Eine Grundreinigung mit dem Dampfstrahler bei meinen türkischen Freunden am real-Markt tut Not. Das rechte Pedal wird mit Kabelbindern zusammengehalten wie bei einem notdürftig geschienten Knochenbruch während einer Expedition. Ein weiterer Blick fällt auf den Schaltzug für den vorderen Kettenwerfer. Er hat tapfer durchgehalten, der Bursche. Nichts ist so ausdauernd wie ein Provisorium! Bei einem Halt steigt eine Gruppe von Senio-Bikern mit samt ihren Vehikeln zu. Sie quälen sich triefend vor Nässe durch die Waggontür herauf und am störenden, mittigen Bügel vorbei. Dieser Stein des Anstoßes ist immer ein Gespräch wert, das meist mit dem einvernehmlichen „Absägen!“ endet. Ein Teil ihrer fränkischen Radlergemeinschaft sei noch bei heftigen Regenschauern und starken Gegenwinden nach Karlstadt unterwegs, erzählt einer der „Geretteten“ grinsend. Der lustige Haufen, dem auch einige Verwegene aus Salzburg angehören, hat allerlei gute Sprüche drauf und wir haben bis zu ihrem Ziel einen Heidenspaß. Radfahren verbindet! In Aschaffenburg verpasse ich um Sekunden den Anschlußzug nach Dieburg. Radfahren lehrt Geduld! Eigentlich hätte ich meine Heimreise mit dem Rad fortsetzen können, doch bei dem greulichen Wetter verspüre ich keine Lust dazu und warte lieber auf den nächsten Zug, der eine halbe Stunde später fährt. Auch ich kämpfe wieder mit dem mittleren Bügel, aber beim Aussteigen in Dieburg hilft mir der nette Schaffner. Es ist frisch draußen als ich die ehemalige Bahntrasse nach Groß-Zimmern entlangradle. Die Eisdiele hat bei diesen kühlen Temperaturen sicherlich geschlossen und ich spare mir den Abstecher. Nach genau 700 Kilometern komme ich gegen dreiviertel sechs müde von der Zugfahrt, aber braungebrannt und mit ausgeblichenem Haar zu Hause an. Jetzt muss ich mich erst einmal sortieren und zurechtfinden: Ein Turm von Zeitungen, Drucksachen, dazwischen vereinzelte Briefe und vor allem – die gähnende Leere des Kühlschranks ...

Über Roland
Roland ist ein sehr kreativer Mensch, der nur zufällig Doktor der Chemie geworden ist. Außer Chemie Nachhilfe gibt er auch Gitarrenunterricht. Ob die Nachhilfe gut ist, kann ich als Dipl. Chemiker schlecht beurteilen, aber die Ergebnisse des Gitarrenunterrichts kann man unter
http://www.youtube.com/watch?v=PwR7n9ORmLk
http://www.youtube.com/watch?v=i82Of8e4OyU
http://de.youtube.com/watch?v=jJiHSbrRChU
http://de.youtube.com/watch?v=crNCbllorgI&feature=related
sehen.
Weitere Informationen unter: rzagler(at)gmx.de

