Reise Tips
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Rezepte. - 2:
Reise Tips.- 2.1:
Mittelböhmen. - 2.2:
Südböhmen. - 2.3:
Entlang der Moldau.
- 2.1:
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Wein.
6.Tag
Die grobe Richtung ist klar! Immer links der Moldau entlang. Die Deteils der Streckenführung dagegen sind unübersichtlich! Im Bike-line-Heftchen verfolge ich die violett markierte Linie der vorgeschlagenen Radroute wie sie permanent wechselt: Zwischen Schnellstraße und Ufer, Eisenbahn und Nebenstraße, Ufer und Schienen, zwischen zwei Straßen. Es gibt alle erdenklichen Kombinationen. Ich tue mir die Theorie nicht an und fahre einfach drauf los. Zahlreiche Baustellen erzwingen Umleitungen und manchmal finden sich Wege, die so in der Karte nicht eingezeichnet sind. Ein schönes Stück Weg verläuft ungestört vom restlichen Straßenverkehr direkt am Moldauufer. Eine Brücke reiht sich an die nächste. Gegen elf Uhr sichte ich die Karlsbrücke und linker Hand davon die Prager Burg, der Hradčany mit dem St.-Veits-Dom. Über die Most Legii gelange ich ans rechte Ufer, um von der Josefsstadt aus, die Karlsbrücke anzusteuern. Es herrscht ein wahnsinniges Treiben an diesem Freitag. Der Verkehr rollt vornehmlich über Kopfsteinpflaster, inmitten der Verkehrsadern rappeln Straßenbahnen, Menschentrauben passieren Zebrastreifen – und ich mittendrin.
Am Karlstor stelle ich das Fahrrad ab und verweile erstmal im Umkreis der steinernen Karlsbrücke. Schließlich gehört dieser Moment nach knapp 450 Kilometern auch entsprechend gewürdigt. Aber es betrifft eben nur mich. Durch die schmale Gasse aus Künstlern, Gauklern und Händlern schiebt sich gemächlich der Strom der Touristen, während der Strom der Moldau unter ihnen hindurchfließt. Ich schiebe mein Fahrrad zurück zur Altstadt und bewundere die restaurierten, schmucken Fassaden der Häuser. Überall herrscht buntes und quirliges Leben. In einem winzigen Schreibwarengeschäft besorge ich mir Ansichtskarten, quere die Karlsbrücke und steuere anschließend die Prager Burg an. Es geht steil bergan. Ich fahre eine Parallelstraße südlich an der Burg vorbei und stoße von oberhalb auf die aus Renaissancebauten, alt- und neugotischen sowie barocken Gebäuden bestehende Zitadelle des Hradčany. Soeben ist Wachablösung, Kameras klicken, summen, Ströme von Touristen quellen…
Von hier aus hat man einen sagenhaften Ausblick über die Alt- und die Neustadt von Prag. Mir fällt spontan ein, dass ich noch nicht am Wenzelsplatz gewesen bin. Oh Schande, fast vergessen. Also mache ich mich auf den Weg zurück, suche im Gewirr der steilen Gassen nach der Moldau und finde mich zur Überraschung jetzt direkt vor der Karlsbrücke wieder. Um auf den geschichtsträchtigen Platz zu gelangen, wähle ich eine der Hauptverkehrsadern, die Narodni. Um die Mittagszeit hat der Verkehr zugenommen. Ich setze die Einbahnstraßenregelung außer Kraft und gelange so recht schnell zum unteren Abschnitt des Wenzelsplatz. Das Nationalmuseum im Blick radele ich die 682 Meter bis zum St.-Wenzels-Denkmal. Geschafft! Und wieder stürze ich mich ins Verkehrsgewühl und rolle den Wenzelsplatz wieder zurück zur Karlsbrücke. Der Himmel hat sich zugezogen und es droht Regen. Ich beschließe, aus der Stadt zu fahren und meine Tagesetappe fortzusetzen. Gegessen habe ich auch noch nichts, außer an meiner Bordverpflegung geknabbert. Über die Most Cechuv, flussabwärts die zweite Brücke von der Karlsbrücke aus, fahre ich ans linke Moldauufer und durchquere nach einem steilen Anstieg, den Letenské Sady, einen lauschigen Park, von dem man einen ausgezeichneten Blick über den Osten und Süden Prags hat. Ich passiere das Nationale Technische Museum und nach einigen ampelgeregelten Kreuzungen gelange ich zum Stromovka-Park. Von weitem schon sehe ich das Planetarium. Es beginnt zu regnen. Hastig frage ich einen älteren Passanten in meinem englisch-deutsch-russischen Kauderwelsch nach dem Weg in Richtung Zoo. Er versucht mir adäquat zu antworten. Als Quintessenz folgt prompt das Ergebnis: Leva – links die nächste Straße. Er hält sich seine Aktentasche über den Kopf und verschwindet um die Ecke. Ich auch, aber nach links und radele, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen am nördlichen Rand des Stromovka-Parks entlang, bis ich nach einer Eisenbahnunterführung wieder auf die Moldau stoße, die sich aus Prag heraus in einer Linksschleife nach Westen wendet. Der Schauer lässt nach. Ich bleibe am rechten Moldauufer, das ich über eine Fahrradbrücke erreiche. Zahlreiche Sportradler sind unterwegs. Der anfängliche sehr gute Asphaltbelag des Radwegs wird allmählich schlechter, bis er einige Kilometer vor Klecany abenteuerlichen Bruchsteinen weicht und an ein Kopfsteinpflaster nach einem Erdbeben erinnert. Mittlerweile gießt es aus Kübeln. Riesige Wasserlachen breiten sich vor mir aus. Sicherheitshalber umfahre ich sie, da der Boden nicht einsehbar ist. Ich ziehe sämtliche Register meiner Fahrkünste, um die Balance zu halten: Trial-Biking. Entnervte Radwanderer kommen mir entgegen, sogar welche mit Babyhänger. Da freut sich der Nachwuchs!
Am Abzweig nach Klecany, ein Ort auf einer Anhöhe, entdecke ich ein Omnibuswartehäuschen. So leiste ich zweien vor dem Regen geflohenen Ausflüglern Gesellschaft. Mein linker Nachbar ist ein jüngerer, leidenschaftlicher Radrennfahrer. Er erzählt begeistert in gebrochenem Englisch von seinen Touren in Südeuropa nach der Wende in Tschechien. Nach gut einer halben Stunde hört der Regen auf und der blaue Himmel tut so, als ob er schon immer dagewesen sei. Ich winde mich nach Klecany hinauf und hole, nachdem ich mich im zentralen Tante-Emma-Laden mit einer Paprikasalami, belegten Brötchen, Semmeln und Getränken eingedeckt habe, mein Mittagessen nach. Es ist gegen drei Uhr nachmittag und es wird angenehm warm. Über einen Höhenrücken kürzt der Radweg eine Schleife der Moldau ab, die jetzt wieder nordwärts fließt. In Kralupy n. Vl. kehre ich zur Moldau zurück. Eine herrliche Auenlandschaft begleitet mich ein Stück. Noch denke ich mir nichts dabei, als der Weg immer kurviger, sandiger und enger wird. Unbeabsichtigt lande ich letztlich auf einem von mannshohem und triefendnassem Gras eingerahmten Trampelpfad. Plötzlich flattert direkt vor mir irgendwelches hühnerartiges Geflügel in die Höhe. Jetzt reicht’s! Ich kämpfe mich auf die Hauptstraße bei Veltrusy vor. Sie führt auf die neu asphaltierte Landstraße 16, ausgestattet mit einem breiten Seitenstreifen, den ich mir die 15 Kilometer bis MělnÃk zueigen mache. Im fast Dreissiger-Schnitt fliege ich dem sonnenbeschienenen Ziel MělnÃk am Zusammenfluss von Moldau und Elbe entgegen. Bei Brozánky biege ich ab, quere die Elbe, bis ich mich dann steil hinauf, am Schloss MělnÃk vorbei, ins Zentrum bewege. Rechts unter mir erkenne ich das Mündungsgebiet der Moldau. Ein Wegweiser deutet auf Unterkünfte hin. Nach längerem Suchen finde ich ein Hotel, in dem ich eine ganze Suite für 800 Kronen belege. Das hauseigene Restaurant hat eine einladende Speisekarte. Ich lasse mir ein Rumpsteak mit Pommes und Salat schmecken und schreibe meine Ansichtskarten von Prag.





