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18.5.2012 : 22:29 : +0200

Reise Tips

5.Tag

An der Straße

Es ist gegen sechs Uhr am Morgen, als ich wach werde. Das Sonnenlicht streut diffus in die Blockhütte und zeichnet ein chaotisches Bild meiner Reiseutensilien. Heute ist Sommeranfang. Ich beschließe möglichst rasch aufzubrechen und beginne mein Triple-S, bevor die Kids den Waschraum bevölkern. Die Situation erweist sich als günstig. Als letzte Tätigkeit ziehe ich die Bettbezüge ab und lasse das Wäscheknäuel auf der Matratze zurück. Das war’s. Gefrühstückt wird unterwegs, da die Gaststätte noch nicht geöffnet hat. An der Rezeption übergebe ich den Schlüssel der geselligen Frühstücksrunde. Knapp vier Kilometer sind’s bis zur Straßenkreuzung, bei der ich rechts nach Kozárovice abbiege.

Hügelige Landschaft

Den Ort wie auch das schattige Sträßchen kenne ich bereits von gestern. Kurz dahinter steuere ich links auf die Hauptverkehrsader Nr. 4 bei Skalky ChraÅ¡tičky zu, um den gestrigen Urwaldpfad zu umfahren. Nach wenigen Kilometern biege ich rechts in eine Seitenstraße ein und mache in Smoletely im Schatten einer Ruhebank, die vor einem Kramerladen steht erstmal Frühstück: Schwarzgeräuchertes, Semmeln, kalte Getränke. So lässt’s sich aushalten. Über Draha gelange ich zur verkehrsarmen Regionalstraße 118. Gegen 10 Uhr erreiche ich Kamýk n. Vl., wo ich eigentlich schon gestern abend sein wollte. Auf den weiteren Tagesabschnitten ist es sehr hügelig und man fährt permanent auf und ab. Kamýk wiederum liegt im Tal der aufgestauten Moldau. Dort bleibe ich eine Zeitlang am linken Ufer, bis ich mich vom Fluss verabschiede und ins Bergland entschwinde. Von der 102, wechsele kurz auf die 18 und hangele mich über Dörfer, die klangvolle Namen tragen: Vestec, Hřimeždice, Přední Háje, Lipiny, Žebrák oder auch Drevníky. Genau dort kehre ich bei großer Hitze in der Dorfgaststätte ein. Jetzt sind Apfelschorlen gefragt. Noch 54 km bis Prag. Eine gute Fahrradleistung am Vormittag bei bergigem Gelände und Affenhitze habe ich hinter mir!

Moldau

Die weitere Bergtour bringt mich über Čelina bis Prostřední Lhota auf der 102 voran. Å těchovice ist der nächst größere Ort an der Moldau, den ich über eine kilometerlange Abfahrt im Schatten des Waldes am frühen Nachmittag erreiche. Jetzt geht’s geradeaus und eben in Richtung Prag. Die breite Moldau fließt träge rechts neben mir auf gleicher Höhe. Bis Zbraslav, einem netten Vorort südlich von Prag, wo ich meine heutige Unterkunft über einem Chinarestaurant finden werde, sind es noch knapp 20 km. Die Straße ist sehr verkehrsreich, die Alternative wäre eine brutale Berg- und Taltour auf der anderen Moldauseite. Das muss jetzt nach knapp 80 km nicht sein! Ich blicke auf die gegenüberliege felsige, teils bewaldete Bergkette, die die Moldau im Osten begrenzt. Jetzt werden auch die Siedlungen zahlreicher. Eine Eisenbahnbrücke kreuzt den Moldaustrom, der hier eine beträchtliche Breite erlangt. Der Uferbereich ist eng mit Straßen bebaut. Man wird unwillkürlich an das Rheintal erinnert. In Zbraslav muss ich einige Zeit nach einer Unterkunft suchen. Wie oben schon erwähnt, quartiere ich mich in einer kleinen Pension für 470 Kronen ein. Das einzige Fenster zeigt in den Innenhof, gegenüber palavern Amerikaner. Die Dusche ist hervorragend. Ebenso die Ente mit Knödel und Kraut im Restaurant Å koda Lásky, sowie der Eisbecher, der alles abrundet. Ein Spaziergang durch Zbraslav schließt sich an und ich entdecke die Straße, auf der ich meinen morgigen Weg fortsetzen werde.

Birkenallee

Bleistiftzeichnung von Roland Zagler

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