Reise Tips
- 1:
Rezepte. - 2:
Reise Tips.- 2.1:
Mittelböhmen. - 2.2:
Südböhmen. - 2.3:
Entlang der Moldau.
- 2.1:
- 3:
Wein.
3.Tag
Hell leuchten die gelben Gardinen im morgendlichen Sonnenlicht auf. Ich schlage
den Vorhang zurück und die Sonne springt mir ins Gesicht. Gut ausgeruht und ohne Beschwerden sitze ich am Frühstückstisch. Vor mir ein Teller voller gebackenem Schinken, garniert mit Spiegeleiern, eine Portion, die ich sonst nur mittags oder abends verdrücke. Ich bezahle mein Zimmer bei der hübschen Wirtin, packe meinen Drahtesel und verlasse gut gelaunt über die steinerne Brücke den verträumten Flecken Rožmberk. Bis Český Krumlov (Böhmisch Krummau) sind es etwa 20 Kilometer auf der Regionalstraße Nr. 160. Rechts neben mir schillert die Moldau im Morgenlicht. Ab und zu ein Auto. Ich nehme es kaum wahr. Viertel vor zehn erreiche ich Krumau und reihe mich in den dichter werdenden Verkehr ein. Von einer Anhöhe aus betrete ich von Osten her die Stadt mit ihrem ausgedehnten Fußgängerbereich. Alles erscheint wie aus dem Ei gepellt: Restaurierte Bürgerhäuser, Kirchen, Stadt- und Herrenhäuser, Museen, Plätze. Ich fühle den Nimbus der Stadt beim gemächlichen Durchqueren. Wenn sich die Perspektive ändert, habe ich den Eindruck, als ob die Gebäude an mir vorbeiwandern und sich für mich zu interessieren scheinen. In einer schmalen Gasse, die in einen Park führt, kehre ich ein.
Am Himmel türmen sich Gewitterwolken, aber die Sonne findet immer wieder eine Lücke. Und so werde ich auch noch beschienen, als ich aus der Stadt herausfahre und auf Budweis (České Budějovice) zusteuere. Dazwischen liegen ungefähr 25 km Fahrt über Wiesen und Felder auf schmalen Fahrstraßen durch malerische böhmische Dörfer. Hier ist die Zeit stehengeblieben. Ich gelange wieder ans rechte Ufer der Moldau und begleite den Fluss ein stückweit. Irgendwann zweigt der Weg ab und geht in eine wahnsinnige Steigung über, die mich auf eine Anhöhe vor BorÅ¡ov n. Vl. bringt. Eine tiefhängende Regenwolke ist mir auf den Fersen, verfehlt mich aber immer wieder ganz knapp. Budweis ist in Sicht und ich fahre auf der Hauptstraße in die Stadt hinein, bis ich an einen Seitenarm der Moldau komme. Auf einer Parkbank mache ich erstmal ein Päuschen. In einem nahe gelegenen LIDL-Dicounter hole ich mir ein paar Äpfel und treffe einen norddeutschen Tourenfahrer, der mir stolz seine automatische Schaltung erklärt und was sie gekostet hat. Über den Radweg direkt an der Moldau fahre ich aus der Stadt, ohne nicht vorher nochmals in einem Straßencafé einzukehren.
Es ist mittlerweile wieder sehr heiß geworden. Sehr gemütlich fährt sich der Radweg nach Hluboká n. Vl. (Frauenberg). Dort steht das tschechische „Neuschwanstein“, das ich mir allerdings nur von unten betrachte. 20 Kilometer vor Týn n. Vl. (Moldautein), meinem heutigen Ziel, gilt es noch einige Steigungen zu überwinden. Über kaum befahrene Alleen geht es im permanenten Auf und Ab durch kleinere Dörfer am Rande der Moldau, die durch Stauung wieder eine beträchtliche Breite erlangt hat. Hoch über dem Fluss wähnt man sich am Ende der Welt, wenn sich nicht am westlichen Horizont die vier Kühltürme des Atomkraftwerks Temelin wie eine Fata Morgana erheben würden. Nach einer rasanten Abfahrt erreiche ich Týn n. Vl., wo ich mich in einem Gasthaus mit chinesischer Küche und Vinothek für 570 Kronen mit Frühstück einquartiere. Abends sitze ich noch lange am Ufer der Moldau und genieße die Zeit von Dämmerung bis Sonnenuntergang – heute am fast längsten Tag des Jahres.




